Die Ortschaft Bramhar-Meppen

Die Ortschaft Bramhar grenzt unmittelbar an die Ortschaft Clusorth-Bramhar. Ob sie einmal eine Einheit gebildet haben, läßt sich nicht mehr feststellen. Die Besiedlung erfolgte entlang des Ochsenbruches. Dieser war in der damaligen Zeit nur bedingt nutzbar.

Der Name Bramhar setzt sich zusammen aus dem niederdeutschen Wort für Bram oder Broam für Ginster und der Endung haar für Erhebung oder Hügel. Bramhar bedeutet also soviel wie Ginsterhügel oder Ginsterhöhe.

Die älteste Erwähnung des Namens Bramhaar findet sich in den Aufzeichnungen über das Hölting (holt-ding, Holzgericht) zu Meppen. Hier wird der Ort erstmals 1480 erwähnt.

Bramhar gehörte zusammen mit den Ortschaften Nödike, Schwefingen, Varloh, Teglingen, Klosterholte, Haverbeck, Bückelte, Lehrte und Helte zum Markengerichtsbezirk Osterbrock. Es umfasste ein Gebiet von 90 km². Unter der Markengerichtsbarkeit fielen alle auf die ordnungsgemäße Nutzung der Mark bezogenen Angelegenheiten. Damit diese gewährleistet war, fand einmal im Jahr, am Dienstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, das Hölting statt. Hier wurden alle gegen die ordnungsgemäße Nutzung der Mark begangenen Verstöße geahndet. Jeder Ort hatte einen sogenannten Eidschwörer zu stellen. Diese übten die Aufsicht über das Brook aus. Dieses Amt wechselte unter den Markengenossen (Erbexen genannt) derselben Gemeinde jedes Jahr. Sie hatten Verstöße unter Eidesverpflichtung (daher der Name) zur Anzeige zu bringen. Im Holzgerichtprotokoll von 1561 wird Gert Sannen als Eidschwörer genannt, im Jahre 1562 war es Hermann Kranen.

Alle Markengenossen waren zur Teilnahme verpflichtet. Wer unentschulgigt fehlte, mußte zehn Schilling Strafe bezahlen bzw. verlor das Recht auf Nutzung der Mark für ein Jahr. Für das leibliche Wohl der Holzrichter hatten die Stadt Meppen und Tholen in Bramhar je eine Tonne Bier und der Beerbte Kamp zu Teglingen einen Schinken und ein Brot zu liefern. Der Beerbte Tholen mußte eine Tonne Bier liefern, weil ihm ehemals erlaubt worden war, sich auf den Markengründen anzusiedeln.

Die Erwähnung aus dem Jahre 1480 ist jedoch keine Gründungsurkunde, so daß man davon ausgehen kann, das der Ort Bramhar älter ist. In diesen Aufzeichnungen werden zwei Bewohner genannt und zwar Kranen Dirk und ein weiterer Bewohner, der jedoch nicht mehr identifiziert werden kann. Kranen Dirk hatte etliche Pfund Wachs an die Kirche in Bokeloh zu liefern. Er war also ein Eigenbehöriger der Kirche. Da in diesen Aufzeichnungen von der Münsterschen Bramhar die Rede ist, muß die Lingener Bramhar auch schon und somit die Grenze zwischen beiden Orten bereits bestanden haben.

Ursprünglich gab es in Bramhar 7 Erben ( Kranen, Tholen, Wilmes, Tönnies, Sannen, Gerdts (Gerdes) und Klenen). Der Hof Klenen ist heute nicht mehr vorhanden. Er lag zwischen den Höfen Tönjes und Gerdes. Aus dem 1652 erstellten Kommunikantenregister der Pfarrei Bokeloh geht hervor, daß in diesem Jahr 8 Familien in Bramhar ansässig waren. Der Osnabrücker Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg ließ zwischen 1650 und 1661 in seiner Diözese durch seine Geistlichen die Namen der Kommunikanten und Nichtkommunikanten aufschreiben. Die Gesamtzahl der Einwohner wird wohl ca. 40 - 50 Personen betragen haben. Laut Seelenzählung von 1749 waren es 92 Einwohner, 7 Erben und 13 Heuerlingsfamilien.

Am 8. August 1846 brannte der Wilmes Hof vollständig ab. Die beiden auf dem Hof befindlichen Heuermannhäuser wurden ebenfalls ein Opfer des Feuers. Vom benachbarten Kranen Hof brannte infolge Funkenfluges der Schafstall ab. Die gesamt Schafherde kam in den Flammen um.  Ursache des Feuers war die unsachgemäße Lagerung von Abdeckmaterial für Kartoffelmieten. Dieses Material war nass und hatte sich infolge der hohen sommerlichen Temperaturen erhitzt und somit den Brand ausgelöst. Der Wilmes Hof lag früher dem Kranen Hof gegenüber. Die obdachlosen Familien mußten in Scheunen und Backhäusern der Nachbarschaft Unterkunft suchen. Die Gebäude wurden jedoch nicht wieder an der selben Stelle aufgebaut, sondern im Norden des Ortes neu errichtet. Am 9. Februar 1847 konnte die Familie das neue Haus beziehen. Über dem Eingang zur Diele befand sich die Inschrift: August den 9ten stand dies Haus durch manche milde Hand. Zum Denkmal bleibe dies bekannt. Der Baumeister B.H. Gels 1847. Rudolf Konrad Wilmes, Maria Gesina Schmitz.

Bramhar-Meppen gehörte früher zur Pfarrei Bokeloh. Im Jahre 1902 wurde die Gemeinde zusammen mit Klosterholte und Haverbeck nach Bawinkel umgepfarrt. Sie hatten laut Umpfarrungsurkunde eine Ablösesumme von 959,37 Mark zu zahlen. Hiermit ging ein lang gehegter Wunsch der drei Gemeinden in Erfüllung, denn ihre Sonntagspflichten erfüllten die Bewohner nachweislich schon seit 1818 in Bawinkel. Der Weg nach Bokeloh war für die Bewohner der drei Gemeinden, vor allem während des Winters, oft nicht begehbar. Da die Hase nicht überbrückt war, mußten sie mit der Fähre übergesetzt werden. Bei Hochwasser war ein Besuch des Gottesdienstes überhaupt nicht möglich. Dies kommt auch in der Umpfarrungsurkunde zum Ausdruck.

Die Kinder von Bramhar-Meppen wurden etwa ab 1760 überwiegend in Bawinkel getauft, da der Weg nach Bokeloh zu weit war. Der Pfarrer von Bawinkel hatte die Erlaubnis, die Kinder der drei Gemeinden zu taufen. Sie wurden dann am Ende des Jahres in den Kirchenbüchern von Bokeloh nachgetragen. Die erste Erwähnung einer Taufe in Bawinkel stammt aus dem Jahre 1654. Die Taufscheine mußte jedoch der Pfarrer von Bokeloh ausstellen. An den hohen Feiertagen war man jedoch gehalten, die Pfarrkirche in Bokeloh zu besuchen. Soweit dies möglich war, hat man sich auch daran gehalten.

Während der Oranierzeit durften die Katholiken von Bawinkel ihre Pfarrkirche nicht mehr besuchen. Sie war nun den Reformierten vorbehalten. Die Katholiken von Bawinkel errichteten auf dem Hof  Krane in Bramhar-Meppen, das zum Niederstift Münster gehörte, eine Notkirche. Von 1674 bis 1686 besuchten sie hier den Gottesdienst. Danach baute man eine Notkirche auf dem Hofe Knüven (heute Brinker) in Klosterholte. Ab 1717 konnte dann wieder der Gottesdienst in Bawinkel gefeiert werden, allerdings nur in Privathäusern.

Im Jahre 1895 zählte die Gemeinde 152 Einwohner, 6 Erben und 15 Heuerlingsfamilien. Aus der Gemeinde fielen 4 Personen im ersten Weltkrieg. Einige Kriegsteilnehmer waren in Gefangenschaft geraten. Im Jahre 1919 waren jedoch alle zurückgekehrt. Ein Opfer der Flammen wurde während des Krieges auch der Tholenhof. Er brannte vollständig ab. Die Familie benutzte das Backhaus als Notwohnung. Die Einwohnerzahl war 1925 auf 165 Personen gestiegen. Den landwirtschaftlichen Betrieben ging es während dieser Zeit finanziell sehr schlecht. Ein Ferkel kostete zwei Mark. Die steuerliche Belastung war hoch. Hinzu kamen noch Mißernten wegen des schlechten Wetters. Am 21. Juni 1928 vernichtete ein schweres Gewitter mit Hagelkörnern von Hühnereigröße einen Großteil der Ernte. Zwei Kühe wurden vom Blitz erschlagen.

Die Gutsgemeinde Engelbertswald wurde 1928 aufgelöst und der Wald Bramhar-Meppen zugeschlagen. Das Gemeindegebiet wurde dadurch wesentlich vergrößert. Der Wald bot aber auch Arbeitsplätze. Einige Heuerleute konnten somit ihr Einkommen verbessern.

Am 10. Dezember 1928 brannte zum ersten Mal elektrisches Licht in Bramhar. Mit dem Ausbau der Straße von Bramhar nach Geeste wurde 1932 begonnen. Im Frühjahr begann man mit dem Ausbau der Dorfstraße von der Kreisgrenze (Multhaupt) bis zur Schule. Einige Jahre später wurde sie dann bis zum Sannenhof weiter ausgebaut. Im Jahre 1937 hatte die Gemeinde 26 Haushaltungen und 158 Einwohner.

Der zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an Bramhar-Meppen vorrüber. Im Herbst 1943 warf ein englischer Bomber abends beim Rückflug in der Nähe der Heuermannswohnung Eixler (heute Kräuterhof) einen Lufttorpedo und 40 Phosphorbomben ab. Das Wohnhaus wurde vollkommen zerstört. Auch an den Nachbargebäuden  entstand Sachschaden. Menschenleben waren jedoch nicht zu beklagen. Anfang 1944 stürtzte in der Nähe des Dorfes ein amerikanisches Flugzeug mit sieben Mann Besatzung ab. Vier Personen konnten sich mit dem Fallschirm retten, drei Mann fanden den Tod. Ostern 1945 lag im Ort  deutsche Wehrmacht Auch die Schule war belegt. Durch feindlichen Beschuß wurde eine Person, der Flüchtling Radulla aus Bremen, getötet. Am weißen Sonnatg fuhren die ersten Panzer durch das Dorf. Die Wehrmacht hatte sich inzwischen zurückgezogen. Pfingsten 1945 kamen die ersten Besatzungstruppen. Sie wurden in der Schule, bei den Bauern und einigen Heuerleuten untergebracht. Sie verhielten sich jedoch gut gegenüber den Einwohnern. Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen mußten ebenfalls untergebracht werden. Nach 14 Tagen wurden die Besatzungstruppen nach Bawinkel verlegt.

Vom Schulinventar war allerdings nicht mehr viel vorhanden. Auch aus der Lehrerwohnung kam einiges abhanden. Seit dieser Zeit ist auch die alte Schulchronik verschwunden. Sie soll sehr umfangreich gewesen sein. Kurze Zeit später kamen erneut Besatzungstruppen, die aber nach 3 Wochen wieder abzogen. Von April 1945 bis September 1945 fand kein  Schulunterricht statt. Aus der Gemeinde fielen im 2. Weltkrieg 9 Personen, zwei sind seitdem vermißt. Im Jahre 1949 kehrten die letzten Kriegsgefangenen zurück.

Anfang 1954 wurde mit dem Ausbau des Feldweges am Nordausgang bis zum Teglinger Bach begonnen. Die Dorfstraße erhielt eine Teerdecke. Im Laufe des Jahres wurde auch die Straße von Multhaupt nach Bawinkel ausgebaut. Dadurch wurde eine wesentliche Verbesserung des Straßenverkehrs erreicht.

Da man in der hiesigen Gegend Erdöl vermutete, begann man 1957 mit der ersten Probebohrung in der Nähe des Engelbertswaldes. Diese war jedoch nicht fündig. Im Laufe des Jahres wurden jedoch immer mehr Bohrungen angelegt, die überwiegend fündig waren. Um das geförderte Erdöl zu sammeln und aufzubereiten, wurde in der Nähe des Ortes eine Aufbereitungsanlage errichtet. Mehrere Personen fanden hier Arbeit.

Der Sportverein FC Bramhar wurde im Jahre 1966 gegründet. Im Jahre 1970 konnte der Sportplatz eingeweiht werden. Seit 1984 stellt der Verein auch eine Damenmannschaft. Anläßlich des 20jährigen Bestehens im Jahre 1986 wurde das Schulgebäude renoviert und durch Umkleidekabinen und einen Clubraum erweitert

Im Rahmen der Verwaltungs- und Gebietsreform wurde die Gemeinde Bramhar-Meppen in die neu gegründete Gemeinde Geeste eingegliedert. Bis heute prägt die Landwirtschaft den Ort. Erst in den letzten Jahren entstanden zwei Gewerbebetriebe. Im Nordwesten des Ortes erwarben im Jahre 1960 zwei ehemalige Heuerleute (Kuhl, Kuper) einen Teil des Schulgrundstückes für Bauplätze. Im Anschluss daran wurde eine neues Baugebiet angelegt

Mit Wirkung vom 10. Oktober 1996 wurde der Dorferneuerungsplan Osterbrock-Bramhar von der Bezirksregierung genehmigt. Mit der Dorferneuerung soll die Erhaltung und Gestaltung des dörflichen Charakters erreicht werden.

Im Jahre 1996 zählte Bramhar-Meppen 149 Einwohner. Anmerkung: Ende 2012 waren es 169 Personen, Erhöhung bedingt durch Neubaugebiet Kiefernweg.

(Auszug aus dem Buch:300 Jahre Schützenverein Clusorth-Bramhar / Bramhar-Meppen,  Autor Heinrich Behlmann)

 

 Ämtergrenze  -  Grenzstein in Bramhar-Meppen

Die Grenze zwischen Bawinkel und dem nördlich benachbarten Kirchspiel Bokeloh zählte zu den Grenzabschnitten zwischen der Grafschaft Lingen und dem münsterischen Amt Meppen, deren genauer Grenzverlauf lange Zeit umstritten war. Die Bauernschaft Bramhar war in einen münsterischen Teil (Bramhar-Meppen) und einen Lingener Teil (Clusorth-Bramhar) geteilt. In den weitläufigen Niederungen des Ochsenbruches standen nur wenige Grenzpfähle in weitem Anstand.Am südlichen Ortsausgang von Bramhar-Meppen ist einer dieser Grenzsteine erhalten. Er zeigt auf der Nordseite den Schriftzug „MEPPEN“ und auf der Südseite die Namen „LINGEN“ und „BAWINKEL“ sowie den Rest einer nicht mehr leserlichen Nummer. Da Bramhar zum Kirchspiel Bokeloh und nicht zum Kirchspiel Meppen gehörte, kann mit Meppen nur das Amt Meppen gemeint sein, mit Lingen das Amt Lingen und mit Bawinkel das Kirchspiel oder die Markengemeinde.

(Auszug aus:  Das alte Emsland)  

 

Holschkemaker Anton Kuper

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